Wahrnehmungsstörungen

Wahrnehmungsstörungen können sich auf unterschiedliche Weise äußern. Einige Kinder verhalten sich gereizt und launisch, andere unkonzentriert und zappelig oder wirken lethargisch.
Wahrnehmungsstörungen gehen sehr oft mit Konzentrationsschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten einher.
Wahrnehmungsstörungen beziehen sich in der Regel auf Störungen im Bereich der zentralen Reizverarbeitung im Gehirn und darauf folgenden "unangemessenen" Reaktionen. Wahrnehmungsstörungen äußern sich deutlich im kindlichen Verhalten und ziehen ebenfalls Konsequenzen in der sozial-emotionalen Entwicklung nach.

Typische Störungsbilder

Gemäß den Entwicklungsstufen nach Affolter (1975) können Wahrnehmungsstörungen eingeteilt werden in

• Modalitätsspezifische Störungen
(Verarbeitungsprobleme liegen in einzelnen Bereichen der visuellen, auditiven, taktilen, kinästhetischen und vestibulären Wahrnehmung

• Intermodale Störungen
(Die Integration der Wahrnehmung ist beeinträchtigt)

• Seriale Störungen
(mangelnde Fähigkeit, ein räumliches, oder zeitliches Nacheinander von Reizen zu erkennen, im Gedächtnis zu behalten und darauf zu reagieren).
Es kommt selten vor, dass Störungen in nur einem Wahrnehmungsbereich vorhanden sind. Oft ist es eine Kombination unterschiedlicher Symptome, die Probleme verursachen (Hanbuch der Sinneswahrnehmung; Renate Zimmer)

Um nur einige Beispiele zu nennen, gibt es Kinder, die berührungsempfindlich sind und dadurch unnahbar wirken. Weiche, fließende Materialien wie Sand, Wasser und Creme sind ihnen unangenehm. Diese Kinder mögen oft nicht „matschen“ und kneten. Selbst von „innigen“ Bezugspersonen lehnen sie Zärtlichkeiten ab.

Alltagsanforderungen können eine absolute Überforderung darstellen. Bei motorischen Störungen stellt sich das Kind oft ungeschickt an und könnte damit Probleme haben, seine Kleidung zuzuknöpfen oder sich die Schuhe zu binden.

Eine Störung des Muskeltonus bewirkt, dass das Kind Schwierigkeiten bei der Kraftdosierung hat. Das wirkt sich zum Beispiel auf die Stifthaltung beim Schreiben und Malen aus. Kindern mit einer Störung des kinästhetischen Systems fehlt z. B. das Körperschema.
Bei einer Störung des Gleichgewichtssinns und der räumlichen Orientierung stößt sich das Kind auffallend oft an oder fällt ständig hin.

Wenn das Kind als Baby nicht gekrabbelt ist, hat es später Schwierigkeiten mit dem Überkreuzen seine Körpermitte. Das wirkt sich unter anderem nachteilig auf das Schreibenlernen in der Schule aus, weil es Schwierigkeiten mit Überkreuzungsbewegungen hat.


Ursachen von Wahrnehmungsstörungen

Die Ursache von Wahrnehmungsstörungen kann nicht eindeutig belegt werden. Sie können organisch-, aber auch Umwelt bedingt sein.

Organische Ursachen

• Hirnfunktionsstörungen, die in pränatalen-, perinatalen- und postnatalen Ursachen unterschieden werden.

Umwelt bedingte Ursachen

• Mangel an Entwicklungsreizen, weil Kinder z. B. in einer Umgebung aufwachsen, in der sie wenig sensorische Reizerfahrungen sammeln können.

• Unausgewogene Reizeinflüsse, die entweder zu einer Reizüberflutung oder Reizarmut führen.